Wie du deine Leistungen sichtbar machst – ohne dick aufzutragen
Praxistipps für Frauen, die Wirkung zeigen wollen, ohne Rollenklischees zu bedienen
In den vielen Gesprächen mit Frauen in meinen Coachings und Workshops kommt ein Punkt ziemlich oft. Nicht immer im gleichen Wortlaut, aber immer mit einer ähnlichen Richtung.
„Ich will mich nicht verkaufen müssen.“
Der Satz fällt fast beiläufig. Und gleichzeitig beschreibt er ziemlich genau das Problem. Was dahinter steckt, ist nicht die Ablehnung von Sichtbarkeit. Es ist die Ablehnung einer bestimmten Art von Sichtbarkeit. Dieses Laute, Überzeichnete, sich in den Vordergrund Stellen, das viele aus ihrem Arbeitskontext kennen und mit dem sie nichts zu tun haben wollen.
Was sie stattdessen wollen, ist deutlich einfacher: Dass ihre Arbeit gesehen wird. Dass klar ist, wofür sie stehen und was sie beitragen.
Nur passiert genau das oft nicht. Im Einzelcoaching erlebe ich regelmäßig Situationen, in denen Frauen ihre eigene Arbeit sehr zurückhaltend einordnen. Da wird ein komplexes Konzept vorbereitet, eine Abstimmung über Wochen gesteuert oder ein konfliktgeladenes Thema sauber geklärt – und im Gespräch klingt das dann so:
„Ich habe da mal was vorbereitet.“
„Wir haben uns das gemeinsam angeschaut.“
Das wirkt auf den ersten Blick unauffällig. Ist es aber nicht. Denn in dem Moment, in dem du deinen eigenen Beitrag so klein machst, entsteht für alle anderen ein unscharfes Bild. Es wird nicht klar, was genau dein Anteil war. Und damit auch nicht wofür du stehst.
Sichtbarkeit ist Teil der Führungsarbeit
Wenn du Verantwortung trägst, gehört es zu deiner Aufgabe, deine Arbeit einzuordnen. Nicht ausführlich, nicht ausschmückend, sondern so, dass andere verstehen, was du tust und warum es relevant ist.
Organisationen funktionieren nicht darüber, dass alle alles sehen. Sie funktionieren darüber, dass Beiträge benannt und zugeordnet werden. Wenn das nicht passiert, entstehen schnell Verschiebungen. Nicht unbedingt bewusst. Aber wirksam.
Vor allem dann, wenn es um Arbeit geht, die wenig „sichtbare Ergebnisse“ produziert: Abstimmungen, Klärungen, das Stabilisieren von Abläufen. Genau die Dinge, die vieles überhaupt erst möglich machen.
Diese Arbeit verschwindet leicht. Nicht, weil sie unwichtig ist, sondern weil sie selten klar ausgesprochen wird.
Warum viele Frauen sich an dieser Stelle zurückhalten
In vielen Arbeitskontexten laufen zwei unterschiedliche Logiken nebeneinander.
Die eine orientiert sich stark an Zugehörigkeit: Wie passe ich ins System? Wie halte ich Beziehungen stabil? Wie sorge ich dafür, dass Zusammenarbeit funktioniert?
Die andere orientiert sich stärker an Zuordnung und Position: Wer hat was gemacht? Wer trägt wofür Verantwortung? Wer steht wofür?
Beides ist notwendig. Aber es wird nicht gleich bewertet.
Viele Frauen sind sehr stark in dieser ersten Logik. Sie sorgen dafür, dass Dinge laufen, dass Abstimmungen funktionieren, dass niemand übergangen wird. Und sie kommunizieren oft so, dass genau das sichtbar wird: kooperativ, verbindend, zurückhaltend.
Das Problem entsteht dort, wo diese Logik allein nicht reicht.
Denn in vielen Organisationen wird Wirkung vor allem über die zweite Logik wahrgenommen. Über klare Zuordnung, benannte Beiträge, sichtbare Verantwortlichkeit.
Wenn du dich dann ausschließlich über Zugehörigkeit positionierst, bleibt dein eigener Anteil unscharf. Nicht, weil du weniger tust. Sondern, weil du ihn nicht klar markierst.
Was sich in der Sprache verändert
Es geht nicht darum, eine andere Persönlichkeit anzunehmen. Es geht darum, deine Arbeit so zu benennen, dass sie in beiden Logiken funktioniert.
Der Unterschied liegt oft in kleinen Verschiebungen.
Aus
„Ich habe das vorbereitet“
wird
„Ich habe die Grundlage für die Entscheidung erarbeitet.“
Aus
„Wir haben uns abgestimmt“
wird
„Ich habe die Abstimmung zwischen den Bereichen übernommen.“
Das sind keine großen Sätze. Aber sie sorgen dafür, dass dein Beitrag zugeordnet werden kann. Und genau das ist entscheidend.
Sichtbarkeit muss nicht immer über dich selbst laufen
Ein Zugang, der in vielen Teams gut funktioniert: Beiträge füreinander sichtbar machen. Wenn du in einer Besprechung sagst: „Das Konzept, auf dem wir hier aufbauen, hat meine Kollegin ausgearbeitet“, dann passiert zweierlei.
Du bleibst in einer kooperativen Logik. Und gleichzeitig stellst du klare Zuordnung her. Das verändert Sichtbarkeit oft effektiver als geplante Sichtbarkeitsstrategien, mit denen du dich aber nicht wohlfühlst.
Woran du im Alltag ansetzen kannst
Was hilft, ist Klarheit über die eigene Arbeit. Nimm dir regelmäßig Zeit, deine Beiträge für dich selbst zu sortieren:
Woran hast du gearbeitet? Wo lag dein Anteil? Was wäre ohne dich so nicht passiert?
Das klingt simpel. Ist es aber nicht. Viele merken dabei erst, wie viel sie leisten – und wie wenig davon sie im Alltag tatsächlich benennen.
Diese Klarheit brauchst du, um im richtigen Moment ruhig sagen zu können, was dein Beitrag war.
Worum es im Kern geht
Du musst dich also nicht planlos ins Rampenlicht stellen, um sichtbar zu sein. Sondern verstehen und akzeptieren, dass Sichtbarkeit eigenen Regeln folgt. Und diese Regeln lassen sich lernen.
Gerade dann, wenn du bisher stark über Zugehörigkeit gearbeitet hast, braucht es ein bewusstes Nachjustieren. Und da hilft, wie bei so vielen Themen, eine innere Klarheit über deine Arbeit und deine Fähigkeiten. Und in einem nächsten Schritt dann eine ganz bewusste Strategie, um dies in einer Art, die für dich akzeptabel ist, aber dennoch Wirkung entfaltet, zu kommunizieren
Genau an diesen Punkten arbeite ich mit meinen Kundinnen. Wie lässt sich die eigene Arbeit klar benennen, ohne sich zu verbiegen? Wie bleibst du in deiner Art – und wirst trotzdem eindeutig wahrgenommen?
Wenn du das für dich klären willst, lohnt sich ein genauer Blick auf deine konkreten Situationen. Melde dich gern, wenn du das in einem Coaching bearbeiten möchtest.