Der Satz, der dich abends noch beschäftigt

„Mein Konzept war durchdacht. Und trotzdem hat der Kollege Meyer am Ende bekommen, was er wollte.“

Diesen Satz höre ich in meinem Coachingraum im Frankfurter Bahnhofsviertel in vielen Varianten, und fast nie von Frauen, die unsicher wären. Er kommt von Geschäftsführerinnen, Amtsleiterinnen und Professorinnen, die seit Jahren führen, fachlich unangefochten sind und die allermeisten Sitzungen souverän bestehen. Was sie hinterher umtreibt, ist selten die Entscheidung selbst. Es ist der Moment, in dem sie übergangen wurden: wie sich das Gespräch plötzlich um Meyer gedreht hat und niemand mehr auf ihr Konzept zurückkam. Beim Einschlafen läuft die Szene noch einmal ab, und irgendwann auch die Antwort, die sie gern gegeben hätte.

Was da passiert, sieht nach nichts aus

Das Tückische an diesen Momenten ist, dass sie selten spektakulär sind. Ein paar Beispiele, die mir immer wieder begegnen:

  • Du bist mitten in deinem Punkt, und ein Kollege redet weiter, als hättest du nichts gesagt.
  • Seine Unterlagen breiten sich über den halben Besprechungstisch aus, deine liegen am Rand.
  • Dein Vorschlag wird mit einem beiläufigen „Das klären wir dann später“ vertagt, und dieses Später findet ohne dich statt.
  • Jemand kommentiert deine Zahlen mit „Das ist doch völlig realitätsfern“, ohne ein einziges Gegenargument zu liefern.

Jede dieser Szenen lässt sich als kleine Lappalie, für die sich kein Aufstand lohnt, wegerklären. Genau das macht sie so wirksam.

Der Schlag in die Magengrube ist ein Signal

Viele Frauen beschreiben einen körperlichen Moment: Es zieht sich etwas zusammen, obwohl formal nichts vorgefallen ist. Keine sexistische Bemerkung, kein offener Affront, nichts, was man später im Protokoll nachlesen könnte. Diesen Moment nehme ich sehr ernst, denn er zeigt an, dass in diesen Situationen eine zweite Ebene mitläuft. Neben der Sache wird verhandelt, wer in dieser Runde das Sagen hat und wer sich wie viel Raum nehmen darf.

Die Kultur der meisten Organisationen ist von genau dieser Art zu kommunizieren geprägt, und sie belohnt sie seit Jahrzehnten. Wer gelernt hat, dass gute Argumente und ein gutes Miteinander überzeugen, erlebt diese Ebene als Störung. Für das Gegenüber ist sie dagegen oft das Gespräch, um das es geht.

Warum die gute Antwort das Problem verschärft

Was tun kompetente Frauen in so einer Lage? Sie antworten sachlich, erklären ihre Zahlen noch einmal, begründen, ergänzen, legen nach. Das ist ein Repertoire, das in den meisten Situationen trägt. Hier aber trifft es ins Leere, weil der Angriff gar nicht sachlich gemeint war.

Schwerer wiegt noch etwas anderes: Wer sich auf einen solchen Angriff hin rechtfertigt, zeigt dem Gegenüber, dass dieses Spiel mit ihr funktioniert. Beim nächsten Mal wird es wieder probiert, vielleicht eine Spur deutlicher. Deshalb hilft es auch wenig, sich nach solchen Sitzungen noch gründlicher vorzubereiten – an der Vorbereitung hat es nie gelegen.

Das Muster ist lesbar, und man kann lernen, darauf zu antworten

Diese Situationen folgen einem Muster. Wer es einmal erkannt hat, sieht es in der nächsten Sitzung wieder, oft schon im Ansatz. Und wer es lesen kann, kann auch anders reagieren: kurz, ruhig und ohne sich auf die inhaltliche Ebene ziehen zu lassen, auf die der Angriff gar nicht zielte.

Dafür musst du weder schlagfertig werden noch dich verbiegen. Du musst auch keine Machtspiele spielen, die dir fremd sind. Es reicht, die zweite Ebene des Gesprächs zu verstehen, die parallel zur Sachebene läuft, und im richtigen Moment eine Antwort darauf zu haben.

Eine Frage der Struktur, nicht deiner Kompetenz

Eines will ich dabei klar sagen: Wenn dir so etwas passiert, liegt das weder an mangelnder Kompetenz noch an zu wenig Selbstbewusstsein. Die Soziolinguistin Deborah Tannen unterscheidet zwei Sprachsysteme – ein horizontales, in dem Zugehörigkeit und die Sache im Vordergrund stehen, und ein vertikales, in dem zuerst geklärt wird, wer in der Runde oben steht. Die Kultur der meisten Organisationen ist vom vertikalen Sprachsystem geprägt und belohnt es. Diese Spielchen laufen zwischen Männern genauso wie zwischen Männern und Frauen, nur kennen viele Männer die Regeln intuitiv und lesen einen solchen Angriff als das, was er ist: einen Test. Wer eher horizontal unterwegs ist, und das sind häufig Frauen, erlebt ihn als Kränkung oder als Versuch, sie zurechtzurücken.

Das Bedürfnis, zu klären, wer oben steht, verschwindet auch nicht, wenn mehr Frauen souverän darauf antworten. Was sich verändert, ist deine Lage: Wer das Muster kennt, nimmt den Angriff nicht mehr persönlich, reagiert gelassen und kehrt danach zur Sache zurück. Das erleichtert den Arbeitsalltag enorm.

Dein nächster Schritt: das Arroganz-Training®

Genau hier setzt das Arroganz-Training® nach Dr. Peter Modler an, das ich in Frankfurt anbiete. Ein Tag mit höchstens sechzehn Frauen in Führungsverantwortung, im Mittelpunkt stehen eure eigenen Situationen, und mit einem männlichen Sparringspartner spielst du den Ernstfall durch, bis die Reaktion sitzt. Der Name klingt provokant, der Inhalt ist es nicht: Du lernst, arrogantem und abwertendem Verhalten souverän zu begegnen, ohne selbst arrogant zu werden.

Der nächste Termin ist Freitag, der 20. November 2026. Wenn du den Satz vom Anfang oder ähnliche Situationen kennst, dann melde dich jetzt hier an.

Du möchtest lieber an einer konkreten Situation im Einzelsetting arbeiten? Dann komm’ ins Machtcoaching in mein Büro im Frankfurter Bahnhofsviertel. Das Vorgespräch ist kostenlos und unverbindlich, buche dir hier einen Termin.

Sarah Sorge

Sarah Sorge ist Coachin, Trainerin und Speakerin mit dem Schwerpunkt Female Empowerment und Leadership für Frauen in Führung. Seit 2024 arbeitet sie als Freiberuflerin – mit voller Kraft und klarem Fokus auf das, was sie seit Jahren antreibt: Frauen in Politik, Verwaltung und Organisationen dabei zu unterstützen, souverän, sichtbar und wirksam aufzutreten.

Ihre Expertise speist sich aus über 20 Jahren eigener Führungserfahrung: als Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Hessischen Landtags, als Stadtverordnete und Dezernentin für Bildung und Frauen in Frankfurt am Main – mit Führungsverantwortung für über 3.000 Mitarbeitende. Ihre Erfahrung kommt nicht nur aus der Theorie, sondern aus der gelebten Praxis: Machtdynamiken, Sichtbarkeit, Haltung und die Spielregeln männlich dominierter Strukturen kennt sie von innen.

Von 2019 bis 2023 leitete sie die Akademie Mixed Leadership an der Frankfurt University of Applied Sciences, wo sie an der Schnittstelle von Weiterbildung und Forschung zu Führung, Diversität und Female Empowerment arbeitete. Bereits seit 2016 ist sie nebenberuflich als Coach für Frauen in Führung tätig – mit dem Schwerpunkt Politik und Verwaltung. Zudem ist sie Diplom-Politologin und beschäftigt sich seit ihrem Studium mit der Gleichstellung der Geschlechter und Studien sowie Ansätzen, um diese zu erreichen.

Ihr Angebot umfasst Einzel-Coaching, Workshops, Vorträge und Keynotes zu den Themen Female Leadership, Präsenz, Macht und Kommunikation. Ergänzend bietet sie Arroganz-Trainings nach Dr. Peter Modler® an – einem Ansatz, der horizontale und vertikale Kommunikationsmuster analysiert und Frauen gezielt darin stärkt, mit hierarchisch geprägtem Dominanzverhalten souverän umzugehen.

Ihr Ziel: Frauen gewinnen Klarheit über Machtstrukturen, entwickeln ihre strategische Wirksamkeit – und müssen sich dafür nicht verbiegen, also nicht so werden wie Männer.

http://www.sorge-coaching.de
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Schlagfertigkeit wird überschätzt

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Flache Hierarchie auf dem Papier, alte Rangordnung am Tisch