Schlagfertigkeit wird überschätzt

Warum die beste Antwort auf einen Dominanzangriff kurz, banal und völlig unoriginell sein darf

„Ich müsste einfach schlagfertiger sein.“

Diesen Satz höre ich oft, wenn Frauen mir von einer Sitzung erzählen, die ihnen nachhängt. Meist steckt eine ähnliche Szene dahinter: Du stellst ein durchdachtes Vorhaben vor, ein Kollege lehnt sich zurück und sagt: „Das ist jetzt aber sehr theoretisch.“ Einen Moment lang ist es still, du setzt zu einer Erklärung an, und spürst, dass die Runde an ihn ging. Die richtig gute Antwort fällt dir später ein, im Auto oder unter der Dusche.

Daraus zu schließen, dass dir die Schlagfertigkeit fehlt, ist verständlich. Ich halte den Schluss trotzdem für falsch. Warum, wird klar, wenn man sich den Satz des Kollegen genauer ansieht.

Was in so einem Satz steckt und was nicht

„Das ist jetzt aber sehr theoretisch“ enthält kein einziges Argument. Der Kollege sagt nicht, welcher Teil deines Vorhabens nicht funktionieren soll oder was er anders machen würde. Mit einem einzigen Satz stellt er sich als den Praktiker hin und dich als diejenige, die sich etwas am Schreibtisch ausgedacht hat. Nach demselben Prinzip funktionieren Sätze wie „Das haben wir hier noch nie so gemacht“ oder „Jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich“.

Solche Sätze werden oft Killerphrasen genannt. Ich spreche lieber von Dominanzangriffen, weil der Begriff beschreibt, worum es geht: nicht um deine Sache, sondern darum, wer in dieser Runde das Sagen hat. Der Angriff testet, ob er dich damit aus dem Tritt bringen kann.

Warum die kluge Antwort dir nicht hilft

Genau an dieser Stelle führt der Wunsch nach Schlagfertigkeit in die falsche Richtung. Wer nach einer besonders klugen oder witzigen Antwort sucht, behandelt den Satz wie einen Schlagabtausch, den man mit der besseren Formulierung gewinnen kann. Dafür braucht es Zeit, und die hast du unter Druck nicht, denn kaum ein Kopf liefert in so einem Moment auf Bestellung eine Pointe. Also fängst du an zu erklären, holst aus, begründest noch einmal und zeigst damit genau das, was der Angriff herausfinden wollte: dass er getroffen hat.

Selbst wenn dir die geistreiche Antwort gelingt, ist wenig gewonnen. Du hast dich auf sein Spiel eingelassen und musst beim nächsten Mal wieder mindestens so gut sein.

Was stattdessen wirkt: kurz und unbeeindruckt

Wenn der Angriff testet, ob er dich aus dem Tritt bringt, dann ist die wirksamste Antwort eine, die zeigt, dass das nicht geklappt hat. Dafür muss sie weder originell noch witzig sein, nicht einmal sachlich. Wichtig ist, dass sie kürzer ist als der Angriff und ruhig kommt. Auf „Das ist jetzt aber sehr theoretisch“ genügt:

„Sehr praxisnah“ oder “Praxiserprobt” oder einfach “nicht theoretisch”.

Danach kommt keine Begründung, du machst mit deinem Vorhaben weiter. Die Antwort nimmt sein Wort auf und dreht es beispielsweise einfach um, und für die Runde ist damit klar, dass dich so ein Satz nicht beirrt. Das ist die Botschaft, auf die es in diesem Moment ankommt. Über die Sache könnt ihr anschließend immer noch reden.

Warum das schwerer ist, als es klingt

Wenige Worte, das klingt nach wenig Aufwand. In der Situation selbst ist es das nicht. Wer gewohnt ist, Einwände mit guten Argumenten zu beantworten, greift unter Druck fast automatisch zur Erklärung. Zwei Worte zu sagen und dann zu schweigen, fühlt sich beim ersten Mal unhöflich an, beinahe unverschämt. Und ob die Antwort trägt, hängt stark davon ab, wie du sie sagst: mit welcher Stimme, in welchem Tempo, mit welchem Blick.

Deshalb lässt sich so eine Reaktion nicht anlesen. Sie muss geübt werden, laut und mit einem Gegenüber, das den Angriff so bringt, wie er im Alltag kommt.

Du musst niemanden unterhalten

Noch ein Gedanke, weil er entlastet: Das Ideal der schlagfertigen Frau ist eine Anforderung, die sich Frauen oft selbst auferlegen. Vom Kollegen, der „Das ist jetzt aber sehr theoretisch“ in die Runde wirft, erwartet niemand Esprit. Warum solltest ausgerechnet du auf seinen schlichten Satz mit einem Geistesblitz antworten? Du darfst genauso schlicht bleiben wie er, und genau darin liegt deine Souveränität.

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Im Arroganz-Training® nach Dr. Peter Modler üben wir genau das: an deinen eigenen Situationen und mit einem männlichen Sparringspartner, der dir die Sätze so entgegenwirft, wie du sie aus deinen Sitzungen kennst. Du probierst deine Antwort so lange aus, bis sie kurz, ruhig und selbstverständlich kommt. Ein Tag in Frankfurt, mit höchstens sechzehn Frauen in Führungsverantwortung.

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Sarah Sorge

Sarah Sorge ist Coachin, Trainerin und Speakerin mit dem Schwerpunkt Female Empowerment und Leadership für Frauen in Führung. Seit 2024 arbeitet sie als Freiberuflerin – mit voller Kraft und klarem Fokus auf das, was sie seit Jahren antreibt: Frauen in Politik, Verwaltung und Organisationen dabei zu unterstützen, souverän, sichtbar und wirksam aufzutreten.

Ihre Expertise speist sich aus über 20 Jahren eigener Führungserfahrung: als Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Hessischen Landtags, als Stadtverordnete und Dezernentin für Bildung und Frauen in Frankfurt am Main – mit Führungsverantwortung für über 3.000 Mitarbeitende. Ihre Erfahrung kommt nicht nur aus der Theorie, sondern aus der gelebten Praxis: Machtdynamiken, Sichtbarkeit, Haltung und die Spielregeln männlich dominierter Strukturen kennt sie von innen.

Von 2019 bis 2023 leitete sie die Akademie Mixed Leadership an der Frankfurt University of Applied Sciences, wo sie an der Schnittstelle von Weiterbildung und Forschung zu Führung, Diversität und Female Empowerment arbeitete. Bereits seit 2016 ist sie nebenberuflich als Coach für Frauen in Führung tätig – mit dem Schwerpunkt Politik und Verwaltung. Zudem ist sie Diplom-Politologin und beschäftigt sich seit ihrem Studium mit der Gleichstellung der Geschlechter und Studien sowie Ansätzen, um diese zu erreichen.

Ihr Angebot umfasst Einzel-Coaching, Workshops, Vorträge und Keynotes zu den Themen Female Leadership, Präsenz, Macht und Kommunikation. Ergänzend bietet sie Arroganz-Trainings nach Dr. Peter Modler® an – einem Ansatz, der horizontale und vertikale Kommunikationsmuster analysiert und Frauen gezielt darin stärkt, mit hierarchisch geprägtem Dominanzverhalten souverän umzugehen.

Ihr Ziel: Frauen gewinnen Klarheit über Machtstrukturen, entwickeln ihre strategische Wirksamkeit – und müssen sich dafür nicht verbiegen, also nicht so werden wie Männer.

http://www.sorge-coaching.de
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Durchsetzen, ohne sich zu verbiegen

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Der Satz, der dich abends noch beschäftigt