„Hat er das gerade wirklich gesagt?“

Warum Frauen, die im Job längst angekommen sind, in ihrer Rolle infrage gestellt werden und wie sie darauf antworten können

Hat er das gerade wirklich gesagt?

Du leitest das Projekt, du kennst jede Abhängigkeit im Zeitplan, und der Kunde hat genau dich als Ansprechpartnerin. Dann sagt jemand aus deinem Team einen Satz, der mit der Sache wenig zu tun hat und trotzdem hängen bleibt. Das kann im Kundentermin passieren, in der internen Besprechung oder in einer Gremiensitzung. Hinterher kreist vor allem eine Frage im Kopf: Hat er das gerade wirklich gesagt?

Die folgende Geschichte ist aus mehreren Situationen verdichtet, die mir in Coachings und Workshops begegnet sind; die Namen sind erfunden. Das Muster dahinter ist echt, und es trifft gerade Frauen, die ihren Job beherrschen.

Ein Satz vor dem Kunden

Aisha ist Projektleiterin. Sie verantwortet ein Projekt fachlich und organisatorisch und ist für den Kunden die zentrale Ansprechpartnerin. In einer Besprechung stellt der Kunde eine Frage zur technischen Umsetzung. Martin, Techniker aus ihrem Projektteam, sagt daraufhin: „Das ist technisch nicht so ganz Aishas Thema. Das klären wir besser mit Moritz, wenn er nachher dazukommt.“

Moritz kennt das Projekt nur am Rande. Und Martin erklärt danach nichts, er bringt keine Information und keinen Vorschlag ein. Sein Beitrag besteht allein aus der Aussage, wer hier zuständig sein soll.

Aisha bleibt bei der Sache und beantwortet die Frage des Kunden, klar und kompetent. Die Besprechung geht weiter. Hinterher ärgert sie sich trotzdem, und zwar weniger über Martin als darüber, dass sie seinen Satz hat stehen lassen.

Was da gerade verhandelt wurde

Auf den ersten Blick klingt Martins Satz wie ein fachlicher Einwand. Ein fachlicher Einwand hätte allerdings einen Inhalt gebraucht: einen Zweifel, eine Ergänzung, eine bessere Idee. Martin bringt nichts davon mit. Er stellt vor dem Kunden eine ganz andere Frage in den Raum, nämlich die, wer in diesem Projekt das Sagen hat.

Genau das macht solche Sätze so schwer zu greifen. Sie sind höflich formuliert, enthalten keine Beleidigung und lassen sich zur Not sogar als Hilfsangebot lesen. Trotzdem steht danach etwas im Raum, das vorher nicht da war: der Zweifel an Aishas Rolle, geäußert von jemandem, der in dieser Rolle unter ihr steht, und zwar vor den Menschen, denen gegenüber ihre Rolle am meisten zählt, den Kundinnen und Kunden.

Warum die gute Antwort nicht reicht

Aishas Antwort an den Kunden war richtig, sie hat gezeigt, dass sie die technische Frage souverän beantworten kann. Nur hat Martin diese Frage gar nicht gestellt. Seine Frage war die nach dem Rang, und die bleibt nach Aishas sachlicher Antwort offen. Der Kunde hat eine gute Auskunft bekommen und gleichzeitig gehört, dass im Team jemand die Projektleiterin für die falsche Ansprechpartnerin hält. Martin wiederum hat gelernt, dass so ein Satz folgenlos bleibt.

Auch ein „Doch, das ist sehr wohl mein Thema“ fühlt sich im ersten Moment nach Klärung an. Genauer betrachtet schwingt aber eine Rechtfertigung mit, und sie zieht das Gespräch genau dorthin, wo es nie hingehört hat: in eine Diskussion darüber, ob Aisha zuständig ist.

Was stattdessen wirkt

Wenn jemand deine Rolle infrage stellt, klärst du die Rollen. Kurz, ruhig, und dann geht es weiter. Für Aisha hätte das so klingen können:

„Martin, du bist der Techniker, ich bin die Projektleiterin. Ich fahre fort.“

Danach beantwortet sie die Frage des Kunden, genauso kompetent wie vorher. Der Satz braucht keine Begründung und keinen Nachsatz. Warum er trägt und wie man ihn so sagt, dass er trägt, lässt sich besser ausprobieren als lesen.

Auf dem Papier sieht das einfach aus. Im Termin selbst ist es das nicht, denn in solchen Momenten reagiert dein Körper schneller als dein Wissen. Deshalb hilft es wenig, den richtigen Satz nur zu kennen, du musst ihn schon einmal gesagt haben.

Deine Rolle steht nicht zur Abstimmung

Aisha hat nichts falsch gemacht. Sie hat mit Fachlichkeit geantwortet, und Fachlichkeit ist ihre Stärke. Martin muss dabei nicht einmal böswillig sein; oft testet jemand schlicht, ob die Verhältnisse noch so gelten wie gestern. Wichtig ist, dass Aisha das Muster versteht und eine Antwort hat, die zur gestellten Frage passt.

Das Muster ist lesbar, und die Antwort lässt sich lernen – ohne dass du dich dafür verbiegen oder zu jemand anderem werden musst.

Dein nächster Schritt

Genau solche Situationen bearbeiten wir im Arroganz-Training® am Freitag, 20. November 2026, in Frankfurt. Der Name klingt provokanter als der Inhalt: Du lernst dort keine Arroganz, sondern wie du auf solche Sätze im entscheidenden Moment wirksam antwortest. Ein Tag, höchstens sechzehn Frauen, die Verantwortung tragen, und ein männlicher Sparringspartner, an dem du deine eigenen Situationen ausprobierst, bis die Antwort sitzt. Melde dich jetzt an.

Wenn du lieber einzeln an deiner Situation arbeiten willst, ist das Machtcoaching in meinem Büro im Frankfurter Bahnhofsviertel der richtige Ort, das Vorgespräch ist kostenlos. Und wenn du das Thema für dein Team aufgreifen möchtest, biete ich es auch als Workshop an.

Sarah Sorge

Sarah Sorge ist Coachin, Trainerin und Speakerin mit dem Schwerpunkt Female Empowerment und Leadership für Frauen in Führung. Seit 2024 arbeitet sie als Freiberuflerin – mit voller Kraft und klarem Fokus auf das, was sie seit Jahren antreibt: Frauen in Politik, Verwaltung und Organisationen dabei zu unterstützen, souverän, sichtbar und wirksam aufzutreten.

Ihre Expertise speist sich aus über 20 Jahren eigener Führungserfahrung: als Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Hessischen Landtags, als Stadtverordnete und Dezernentin für Bildung und Frauen in Frankfurt am Main – mit Führungsverantwortung für über 3.000 Mitarbeitende. Ihre Erfahrung kommt nicht nur aus der Theorie, sondern aus der gelebten Praxis: Machtdynamiken, Sichtbarkeit, Haltung und die Spielregeln männlich dominierter Strukturen kennt sie von innen.

Von 2019 bis 2023 leitete sie die Akademie Mixed Leadership an der Frankfurt University of Applied Sciences, wo sie an der Schnittstelle von Weiterbildung und Forschung zu Führung, Diversität und Female Empowerment arbeitete. Bereits seit 2016 ist sie nebenberuflich als Coach für Frauen in Führung tätig – mit dem Schwerpunkt Politik und Verwaltung. Zudem ist sie Diplom-Politologin und beschäftigt sich seit ihrem Studium mit der Gleichstellung der Geschlechter und Studien sowie Ansätzen, um diese zu erreichen.

Ihr Angebot umfasst Einzel-Coaching, Workshops, Vorträge und Keynotes zu den Themen Female Leadership, Präsenz, Macht und Kommunikation. Ergänzend bietet sie Arroganz-Trainings nach Dr. Peter Modler® an – einem Ansatz, der horizontale und vertikale Kommunikationsmuster analysiert und Frauen gezielt darin stärkt, mit hierarchisch geprägtem Dominanzverhalten souverän umzugehen.

Ihr Ziel: Frauen gewinnen Klarheit über Machtstrukturen, entwickeln ihre strategische Wirksamkeit – und müssen sich dafür nicht verbiegen, also nicht so werden wie Männer.

http://www.sorge-coaching.de
Weiter
Weiter

Durchsetzen, ohne sich zu verbiegen