Souverän bleiben am Wahlstand – auch bei frauenfeindlichen Angriffen
Wie du souverän bleibst, wenn dich jemand aus der Rolle bringen will
Der Kommunalwahlkampf läuft. Du stehst am Wahlstand, es ist kalt, du hast schon ein paar gute Gespräche geführt – und plötzlich kippt die Situation. Ein Kommentar trifft dich unerwartet: abwertend, herablassend, vielleicht mit einem sexistischen Unterton. Kein offener Angriff, aber einer, der trifft.
Solche Momente gehören leider zum politischen Alltag. Nicht, weil du etwas falsch machst. Sondern weil Wahlkampf ein Ort ist, an dem Menschen Grenzen austesten – bewusst oder unbewusst. Und weil Frauen in der Politik häufiger mit Zuschreibungen konfrontiert werden, die mit ihren Inhalten nichts zu tun haben.
Die Frage ist nicht: Wie vermeide ich solche Situationen? Die Frage ist: Wie bleibe ich handlungsfähig, klar und souverän, wenn sie auftreten?
Worum es in solchen Momenten wirklich geht
Frauenfeindliche Bemerkungen – ob offen oder subtil – sind selten inhaltliche Auseinandersetzungen. Es geht nicht um deine Argumente. Es geht allein darum, dich zu testen und zu verunsichern.
Nehmen wir mal einen plakativen, typischen Spruch als Beispiel:
„Sie haben doch sicher nur einen Listenplatz, weil sie eine Frau sind - jung und hübsch noch dazu.“
Auf den ersten Blick einer von vielen blöden Sprüchen, die wir Frauen im Alltag so hören. Auf den zweiten Blick ist es der Mikromechanismus von Macht: ein kleiner Test, um zu prüfen, ob du dich aus dem Gleichgewicht bringen lässt.
Wenn du das erkennst, entsteht sofort mehr Handlungsspielraum.
Warum Gegenangriffe selten helfen
Der Impuls „Zurückschlagen“ ist verständlich. Aber Gegenangriffe schaffen selten Einsicht. Gegenangriffe verschieben die Ebene – plötzlich geht es nicht mehr um Politik, sondern um ein persönliches Duell. Davon profitierst du selten. Ebenso unproduktiv sind Rechtfertigungen. Denn beides läuft nach dem Spiel: Er bestimmt die Richtung, du reagierst.
Das Ziel ist etwas anderes: Präsenz behalten, nicht in den Sog gehen und die Situation in deiner Verantwortung halten.
Was dir in solchen Momenten hilft – sofort und praktisch
Hier ein paar kurze Strategien, die im politischen Alltag funktionieren:
1. Benenne die Ebene, nicht die Emotion
Wenn jemand dich abwerten will, hilft ein ruhiger Satz, der die Situation wieder auf die Sachebene holt:
„Ich bleibe beim Thema Politik.“
„Ich antworte gern – aber auf einem respektvollen Niveau.“
Keine Erklärung, kein angegriffener Tonfall, sondern eine klare Setzung.
2. Markiere deine Grenze – ohne Drama
Grenzen wirken am stärksten, wenn sie knapp sind:
„So nicht.“
„Stopp. Wir reden hier politisch.“
Das irritiert viele Angreifer mehr als jede Empörung.
3. Führe zurück zum Inhalt
Wenn du wieder auf inhaltliche Fragen gehst, zeigst du Präsenz und Agenda-Setzung:
„Meine Position ist …“
„Wichtig ist hier der Punkt …“
So holst du das Gespräch zurück zu deinem Anliegen.
4. Erkenne, wann kein Gespräch möglich ist
Auch das gehört zu Souveränität: Manche Menschen wollen nicht sprechen. Sie wollen provozieren. Du kannst das freundlich, aber eindeutig benennen:
„Ich diskutiere gern. Aber nicht so.“
„Für ein sachliches Gespräch bin ich offen. Hier sehe ich das nicht.“
Damit schützt du dich und setzt deine Grenze.
Innere Klarheit: Das eigentliche Training findet vorher statt
Viele Frauen sagen mir: „Ich weiß inhaltlich genau, wie ich argumentieren will – aber in solchen Momenten verliere ich meine Ruhe.“
Das ist normal. Denn diese Situationen greifen oft tiefer: in alte Rollenerwartungen, in die Abwertung von Kompetenz, in die Anmaßung, Frauen müssten sich für ihre politische Präsenz rechtfertigen.
Was hilft, ist innere Vorbereitung:
Verstehen, was kommunikativ passiert
Wissen, wie man die eigene Position hält
Kurzsätze parat haben, die wirken
Routinen für heikle Situationen entwickeln
Nicht spontan „nett“ wirken wollen, sondern bewusst entscheiden
Dein Handeln in solchen Situationen ist kein “Persönlichkeitsmerkmal”, sondern das ist Handwerk.
Was du aus solchen Situationen mitnehmen kannst
Statt dich zu fragen „Warum passiert das mir?“ ist die bessere Frage:
Was wollte die Person erreichen?
Auf welche Ebene sollte ich gezogen werden?
Habe ich meine Position gehalten?
Welche Antwort hätte noch mehr Klarheit gegeben?
Diese Reflexion stärkt dich für den nächsten Wahlstand – und für jeden politischen Raum.
Zum Schluss: Souveränität heißt nicht Härte – sondern Haltung
Souverän zu reagieren bedeutet nicht, knallhart und schlagfertig zurückzuschießen.
Es bedeutet auch nicht, alles wegzulächeln. Es bedeutet: Du entscheidest, worauf du reagierst – und worauf nicht. Und genau das macht dich sichtbar, wirksam und glaubwürdig.
Wenn du solche Situationen gezielt vorbereiten möchtest
Ich begleite Kommunalpolitikerinnen darin, heikle Momente im Wahlkampf souverän zu meistern – im Coaching und in Trainings.
Wenn du Gesprächssituationen durchspielen möchtest oder klare Antwortideen entwickeln willst, melde dich gern.