Kompetenz oder Wirksamkeit? Was ich 2025 über den Unterschied gelernt habe
Warum gute Arbeit allein nicht reicht – und was wirklich zählt
Ich sitze hier, Mitte Dezember, der Schreibtisch ist voll, und ich denke: Was nehme ich eigentlich mit aus diesem Jahr? Nicht die üblichen Jahresrückblicke mit Dankbarkeit und Wachstum. Sondern die Momente, in denen ich gemerkt habe: Hier läuft ein Muster. Eines, das ich bei meinen Klientinnen sehe. Eines, das ich selbst kenne. Eines, das Wirksamkeit kostet.
2025 war für mich ein Jahr, in dem sich ein paar Beobachtungen verdichtet haben. Durch die Modler-Ausbildung. Durch die Arbeit mit Frauen in Politik und Verwaltung. Durch Gespräche, Sitzungen, Coachings. Und durch Situationen, in denen ich selbst nochmal neu verstanden habe, warum manche Frauen trotz hervorragender Arbeit nicht als Führung wahrgenommen werden.
Drei Erkenntnisse haben sich herauskristallisiert. Keine Motivationssprüche. Sondern handfeste Mechanismen, die entscheiden, ob Kompetenz auch als Wirksamkeit ankommt. Ich schreibe sie auf, für mich, zum Sortieren. Aber vielleicht erkennst du dich ja auch wieder.
1) Wer nur horizontal kommuniziert, wird horizontal behandelt
Viele Frauen sind kommunikativ hervorragend: klar, sachlich, differenziert. Genau das wird ihnen in Gremien und Sitzungen zum Nachteil – nicht weil es falsch wäre, sondern weil dort neben Inhalt immer auch Position verhandelt wird.
Das lässt sich im Modler-System gut beobachten: Horizontale Kommunikation zielt auf Austausch, auf Argumente, auf Verständigung. Vertikale Kommunikation setzt ein Signal von Anspruch und Entscheidung – ohne dabei aggressiv zu werden. Wer ausschließlich horizontal bleibt, liefert perfekte Inhalte, aber kein klares „Ich beanspruche hier Raum".
Das Ergebnis: Frauen sind fachlich stark, werden aber behandelt wie Zuarbeiterinnen. Nicht weil sie weniger können, sondern weil der Kontext ihre Kompetenz nicht automatisch in Autorität übersetzt. Autorität entsteht dort nicht nur aus Wissen, sondern aus dem sichtbaren Anspruch, führen zu wollen.
Kompetenz ist die Grundlage. Wirksamkeit entsteht, wenn Kompetenz auch als Positionierung hörbar wird.
2) Viele Konflikte sind keine Sachkonflikte – sondern Rangspiele
Ein großer Teil der „schwierigen Kommunikation" im politischen Alltag ist nicht sachlich. Es sind Unterbrechungen, abwertende Nebenbemerkungen, ironische Etiketten („jetzt aber nicht wieder…"), das Weglächeln von Beiträgen, das demonstrative Übergehen. Das wirkt beiläufig – ist es aber selten.
Das sind Tests. Keine Tests deiner Kompetenz, sondern deiner Position. Wer dabei in Erklärungen geht, sich rechtfertigt oder die Stimmung retten will, verstärkt das Spiel. Wer erkennt: „Hier wird gerade Rang sortiert", kann anders reagieren – knapper, klarer, mit weniger Energieverlust.
Es geht nicht darum, zu dominieren. Es geht darum, nicht in eine Rolle gedrängt zu werden, die die eigene Wirksamkeit leise aushebelt: die Fleißige, die Erklärende, die Harmonie-Verantwortliche.
Wenn du Rangspiele als Stilproblem missverstehst, verlierst du Zeit. Wenn du sie als Mechanismus erkennst, gewinnst du Handlungsspielraum.
3) Ohne Sichtbarkeit gibt es keine Wirksamkeit – egal wie gut du bist
Die Erkenntnis, die vielen Frauen am unangenehmsten ist – und gleichzeitig die wichtigste: Wirksamkeit braucht Sichtbarkeit.
Ich war im Herbst bei der Buchvorstellung von Tijen Onaran. Und auch wenn ich nicht alles teile, was sie sagt: In einem Punkt hat sie verdammt recht. Frauen machen ihre Arbeit „sauber" – und planen dann nicht mit, wie diese Arbeit sichtbar wird. In der Sitzung, in der Fraktion, in der Öffentlichkeit, in der Verwaltung.
Das Ergebnis: Gute Inhalte versanden. Andere rahmen das Thema. Andere schreiben sich den Erfolg zu. Oder der Beitrag wird geschätzt, aber nicht als Führung oder Gestaltung wahrgenommen.
Sichtbarkeit ist nicht automatisch „laut". Sichtbarkeit heißt: Dein Beitrag ist zuordenbar. Dein Punkt ist platziert. Deine Rolle ist erkennbar. Und das ist planbar – nicht als Social-Media-Projekt, sondern als strategischer Bestandteil deiner politischen Praxis.
Wenn du Sichtbarkeit nicht mitplanst, planst du Unsichtbarkeit mit.
Was das für 2026 heißt
Keine große Zielliste. Keine zwölf Vorsätze. Nur drei Fragen:
Wo war ich 2025 wirksam – und wodurch genau?
Wo bin ich in eine Rolle gerutscht, die mich kleiner macht, als ich bin?
Was mache ich 2026 nicht mehr automatisch – sondern nur noch bewusst?
Das reicht.
Mehr braucht es nicht, um den Unterschied zwischen Kompetenz und Wirksamkeit zu verstehen. Und genau dieser Unterschied entscheidet, ob deine Arbeit als Führung wahrgenommen wird – oder als Zuarbeit.
Und falls du 2026 nicht nur mehr machen willst, sondern wirksamer werden: Ich begleite Frauen in Führung genau dabei – im Coaching und in Workshops. Wenn du Gedanken sortieren oder ein konkretes Setting vorbereiten willst: Schreib mir gern.